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Berlin (1990)

Das Fanprojekt Berlin wurde 1990 mit Unterstützung des Landes Berlin eingerichtet und befindet sich in Trägerschaft der Sportjugend im Landessportbund Berlin e. V. Es wird aus Mitteln der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, der Deutschen Fußball Liga sowie des Deutschen Fußball-Bundes gemäß den Bestimmungen des Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit finanziert. Darüber hinaus erhält das Projekt für die Beschäftigung von Jugendlichen im Freiwilligen Sozialen Jahr eine Förderung durch das Bundesamt für Zivildienst. Seit September 2009 erhält das Fanprojekt für den Bereich BFC Dynamo eine Förderung durch den Beauftragten des Berliner Senats für Integration und Migration, und seit November 2009 finanziert die Robert Bosch Stiftung gemeinsam mit der Bundesliga-Stiftung das Lernzentrum, das vom Fanprojekt in Kooperation mit Hertha BSC eingerichtet wurde.

Eine Besonderheit des Berliner Fanprojekts besteht in der Betreuung von Fans vier Berliner Fußballvereine (Hertha BSC, 1. FC Union Berlin, BFC Dynamo und Tennis Borussia Berlin). Zu den vier hauptamtlichen Mitarbeitern (zwei Diplom-Sozialpädagogen, ein Diplom-Sportwissenschaftler und ein Diplom-Pädagoge) kommt für den Bereich des BFC Dynamo ein geringfügig beschäftigter Mitarbeiter hinzu. Die Angebote des Fanprojekts richten sich an jugendliche und jungerwachsene Fußballfans beiderlei Geschlechts im Alter von 14 bis 27 Jahren. Dabei arbeitet das Fanprojekt sowohl mit auffälligen, gewaltfaszinierten und gewaltbereiten Jugendlichen als auch mit aktiven Gruppen, die sich selbstinitiativ, kreativ, gewaltfrei und antirassistisch engagieren. Darüber hinaus kooperiert das Fanprojekt im Arbeitsbereich Gremienarbeit mit allen im Bereich Fußball engagierten Personen, Vereinen und Institutionen.

Seit Februar 2012 gibt es nun auch wieder einen Begegnungsort für alle Berliner Fußballfans: Mit der Fertigstellung des Bauvorhabens Haus der Fußballkulturen, einer Fanbegegnungsstätte mit Veranstaltungsraum, Büro- und Seminarräumen sowie einer Mediathek ist mitten in Berlin (Jahn-Sportpark) endlich ein Zentrum für die Berliner Fankultur geschaffen.

Arbeitsschwerpunkte:

Betreuung/Begleitung bei Heim- und Auswärtsspielen

Die Mitarbeiter des Fanprojekts sind bei Heimspielen in den Stadien präsent, stehen den Jugendlichen als Ansprechpartner zur Verfügung und pflegen dabei auch engen Kontakt zur Fanbetreuung der Vereine und den Kollegen und Kolleginnen der Fanprojekte, die die Gästefans begleiten. Bei Auswärtsspielen begleitet das Fanprojekt die Fans meist bei deren selbst organisierten Fahrten in Fanbussen. Zu ausgewählten Spielen bietet das Projekt eigene alkohol- und nikotinfreie U18-Fahrten für jugendliche Fans unter 18 Jahren an. Die Mitarbeiter versuchen, in Konfliktsituation zu schlichten bzw. Konflikte im Vorfeld zu vermeiden und so zu einem reibungslosen Ablauf beizutragen. Sie stehen dabei auch im engen Kontakt zu Vereinen, Polizei und Ordnungskräften.

Beratung

Neben klassischer Einzelfallhilfe für Jugendliche bietet das Fanprojekt den Fans bei Konflikten mit dem Verein, der Polizei oder auch der Schule und dem Arbeitgeber Beratung und Unterstützung an (Einzelfallhilfe). Bei größeren Konflikten fungiert das Projekt als Vermittler und Mediator und versucht, die Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen. Darüber hinaus berät das Fanprojekt Vereine und Institutionen im Umgang mit jugendlichen Fans bzw. leistet Aufklärungsarbeit in Bezug auf jugendliches Gruppenverhalten.

Sport- und kulturpädagogische Angebote

Das Fanprojekt hat feste Hallenzeiten und veranstaltet Fußballturniere bzw. unterstützt vermehrt Fangruppen bei der Organisation eigener Turniere. Ergänzt wird das Sportangebot durch Veranstaltungen im Hoch- und Dachseilgarten. Zwei der Mitarbeiter haben hierfür eine entsprechende Trainerausbildung. Besonders erwähnenswert ist der kulturpädagogische Schwerpunkt in der Arbeit. So veranstaltet das Projekt gemeinsam mit dem Fußballkulturverein Brot & Spiele e. V. jährlich das internationale Fußballfilmfestival 11mm sowie Lesungen und Erzählcafés zu Themen rund um den Fußball.

Gremienarbeit

Hier versucht das Fanprojekt, sowohl auf Bundesebene als auch im Bereich der Berliner Vereine, im Rahmen seiner Lobbyarbeit Interesse für die Bedürfnisse und Probleme jugendlicher Fußballfans zu wecken und idealerweise darüber hinaus Unterstützung für sie zu schaffen. Das Stadion ist für viele Fans auch ein bedeutender Sozialraum. Die Schaffung bzw. der Erhalt von Freiräumen für Jugendliche ist deshalb die oberste Zielsetzung unserer Tätigkeit. In vielen Arbeitskreisen auf nationaler und lokaler Ebene und im Rahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit versucht das Fanprojekt, dieser Herausforderung gerecht zu werden. Insbesondere der Dialog mit der Polizei spielt in diesem Bereich eine bedeutende Rolle.

Sowohl beim 1. FC Union als auch bei Hertha BSC hat das Projekt wesentlich zur Einrichtung von „Sicherheitsbeiräten“ beigetragen. Diese Gremien geben Fans die Möglichkeit, sich vor Verhängung eines Hausverbots bzw. bundesweiten Stadionverbots persönlich zu den Vorwürfen zu äußern. Beide Vereine gehen mit diesem Anhörungsrecht für Fans vor Aussprache eines Hausverbotes bzw. eines bundesweiten Stadionverbotes einen vorbildlichen Weg im Sinne von Integration statt Ausgrenzung.

Generell versteht sich das Fanprojekt in immer stärkerem Maße als Beratungseinrichtung und Vermittlungsinstanz zwischen den Fans und den im Fußball agierenden Vereinen und Institutionen. Der Unterstützung der Fans bei der Artikulierung, Wahrung und Umsetzung ihrer Bedürfnisse und Wünsche kommt eine wachsende Bedeutung zu.

Jugendbegegnungen und andere Aktivitäten

Nationale und internationale Jugendbegegnungen, meist im Zusammenhang mit Fußballspielen oder Fußballgroßereignissen wie Europa- und Weltmeisterschaften, waren und sind ein wichtiger Baustein in der Arbeit des Fanprojekts. Als Ausrichter des „Fanfinales“, das seit 1992 regelmäßig am DFB-Pokal-Finalwochenende in Berlin stattfindet, hat sich das Berliner Fanprojekt einen exzellenten Ruf erworben. Dieses bundesweite dreitägige Fantreffen von fußballbegeisterten Jugendlichen beiderlei Geschlechts platzt seit Jahren nahezu aus allen Nähten, so groß ist der Anmeldedrang der Fans.

Weiterhin spielt die Entwicklung und Durchführung von antirassistischen Initiativen und Aktivitäten eine zunehmend größere Rolle. Hervorzuheben ist hier die sehr gute Kooperation mit den Vereinen Hertha BSC, 1. FC Union Berlin und dem BFC Dynamo. Darüber hinaus geht das Fanprojekt mit seinem Projekt Lernzentrum – Politische Bildung im Fußballbereich – in enger Kooperation mit Hertha BSC und finanziert von der Robert Bosch Stiftung – neue Wege in der pädagogischen Fanarbeit. Im Lernzentrum an der Jugendakademie von Hertha BSC wird die Motivationskraft des Fußballs genutzt, um für bildungsferne und benachteiligte Schüler/innen und Fans das Lernen im Rahmen von Projekttagen und -wochen auf verschiedenen Ebenen attraktiv zu machen.

Eine weitere Besonderheit stellt das pädagogische Engagement im Berliner Jugendfußball dar. Hier ist das Fanprojekt u. a. intensiv in Weiterbildungs- und Schulungsmaßnahmen des Berliner Fußball-Verbandes für Übungsleiter, Trainer und Ehrenamtliche zu den Themen Gewalt, Fairness und Toleranz eingebunden.

Fanprojekt Berlin

Ralf Busch (Leitung), Thomas Jelinski, Axel Pannicke, Birger Schmidt, Christopher Starker

Cantianstraße 25
10437 Berlin

TEL 030 98607985
FAX 030 98607988

e-mail fanprojekt(at)sportjugend-berlin.de
Homepage
www.fanprojekt-berlin.de

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