Am 1. November 2011 nahm das Fanprojekt Hoffenheim in Sinsheim seine Arbeit auf. Träger ist die AWO Rhein-Neckar in Zusammenarbeit mit der AWO Saarland. Zum Team gehören drei Sozialpädagog/-innen (Corinna Braun, Simone Krikorka, Carsten Lindwurm), eine Verwaltungsfachkraft und ein Freiwilliger im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes.
Das Team begleitet die Fans seit Anfang November 2011 bei allen Heim- und Auswärtsspielen, wobei der Schwerpunkt darauf liegt, die Fans kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Die Beziehungsarbeit ist in einem neu gegründeten Fanprojekt eine umfangreiche, aber auch spannende Aufgabe und keinesfalls ist es selbstverständlich, dass junge Fans sofort verstehen, welche Intention ein Fanprojekt hat. Den Mitarbeiter/-innen schlägt häufiger der Vorbehalt entgegen, für den Verein oder die Polizei zu arbeiten. Um diesen Vorurteilen entgegenzuwirken sind viel Information und Aufklärungsarbeit nötig, eine Infoveranstaltung mit dem Fandachverband ist geplant. Auch ein Interview für das Fanzine Dorfg´schwätz ist angedacht. Trotz dieser normalen Anfangsschwierigkeiten gibt es langsam eine Annäherung an die Szene und engeren Kontakt zu einzelnen Fans.
Die Fanszene in Hoffenheim ist außergewöhnlich. Sie ist charakterisiert durch eine kurze Geschichte und (gefühlte) Heimatlosigkeit. Zu Hause in Sinsheim spürt man wenig Akzeptanz. Auf der einen Seite ist die Szene noch recht klein, auf der anderen gilt es, alle zwei Wochen ein Stadion mit 30.000 Plätzen zu füllen, dies gelingt nur mit Hilfe der sogenannten „Eventfans“. Die fehlende Stimmung wird sowohl von den aktiven Fans als auch von Trainer und Mannschaft bemängelt. Von anderen Fanszenen werden die Bemühungen und der Support milde belächelt.
Die TSG Hoffenheim und ihre Fanszene sind im deutschen Fußball oft das „Feindbild“. Die Fans müssen körperliche und verbale Anfeindungen über sich ergehen lassen und definieren sich teilweise über diesen „Hass“. Es ist Aufgabe des Fanprojekts, der Szene bei Identitätssuche und -aufbau unterstützend zur Seite zu stehen. Es besteht die Gefahr, dass ein Teil der Fanszene auf die Anfeindungen mit Gewalt reagiert, um sich so Anerkennung zu erwerben. Auch innerhalb der Fankurve ist das Ringen um die Positionen noch nicht abgeschlossen. Das Fanprojekt hat in dieser sich noch im Aufbau befindenden jungen Fanszene große Chancen und kann eine wichtige Rolle als Vermittler zwischen den Fans und den außenstehenden Parteien übernehmen.
Bevor die Arbeit mit den Fans aufgenommen werden konnte, galt es – nicht nur im räumlichen Sinne – eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen. Auch die Netzwerkarbeit nimmt einen großen Teil der Arbeit ein. Die Mitarbeiter/-innen nahmen bereits an einer sehr informativen KOS-Fortbildung und einer Tagung der BAG-Süd teil. Im Januar 2012 konstituierte sich der Beirat des Fanprojekts.
Baldmöglichst soll für die jugendlichen Fans eine regelmäßige Fußballgruppe angeboten werden, um z. B. auch am Fanfinale in Berlin teilnehmen zu können. Ein Neunsitzer-Bus wird im Februar erwartet und soll schnellstmöglich für U18-Fahrten genutzt werden. Weitere Aktivitäten aus den Bereichen Freizeit- und Erlebnispädagogik sowie Kultur- und Sportpädagogik sind geplant.
Natürlich steht ein Projekt zu Anfang stets vor kleineren und größeren Hindernissen, die größte Baustelle in Hoffenheim ist derzeit die Suche nach einer geeigneten Fananlaufstelle. Die Räumlichkeiten des Fanprojekts bestehen derzeit nur aus Büros. Trotzdem haben die Fans stets die Möglichkeit vorbeizuschauen und schon Spielekonsole oder Fernseher zu nutzen oder auch Beratung und Einzelfallhilfe in Anspruch zu nehmen. Gerade wegen der gefühlten und aufgrund der fehlenden Anlaufstelle auch real bestehenden Heimatlosigkeit der Fans kommt der Suche nach einem passenden Fanhaus eine sehr große Bedeutung zu.
AWO Rhein-Neckar e. V.
Corinna Braun, Simone Krikorka, Carsten Lindwurm
Werderstraße 84
74889 Sinsheim
Tel. 07261 975970
Fax 07261 9759729