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Die Fanprojekte 
Lange Jahre war die Fanbetreuung in München in Obliegenheit der städtischen Jugendhilfe: Als erste Kommune finanzierte die Stadt bereits gegen Ende der 1970er-Jahre die Betreuung von Fußballfans durch Streetworker des kommunalen Jugendamtes. Das 1995 gegründete Münchener Fanprojekt arbeitet derzeit in der gemeinsamen Trägerschaft des Stadtjugendamtes und des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt München. Aufgrund der Erhöhung des finanziellen Zuschusses des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus war es Mitte 2011 endlich möglich, einen neuen Mitarbeiter einzustellen und somit die personelle Situation des Fanprojekts zu verbessern.
In einer Stadt mit zwei Bundesligavereinen ist soziale Arbeit mit Fußballfans von besonderer Bedeutung, da sich die lokalen Rivalitäten leider allzu häufig in besonders krisenhaften und problematischen Verhaltensweisen der Fanszenen untereinander zuspitzen. Auf der einen Seite der idealisierte „Arbeiterverein“, die Sechziger, auf der anderen Seite die „snobistischen Titelhamsterer“, die Bayern. Diesem ebenso schlichten wie in seinen Auswirkungen häufig problematischen Muster folgend, ordnen sich insbesondere jugendliche Fußballfans ein bzw. zu und grenzen sich deutlich ab. Sehr häufig entsteht so eine schier unüberwindbare Kluft. Doch nicht nur die simple Lokalrivalität, sondern auch der Alltag im sich rasant verändernden Fußballbusiness hinterlässt zunehmend Spuren in der kritischen und aktiven Fanszene. Hier Brücken für mehr Verständnis zu schlagen, ist nicht immer einfach, aber in aller Regel ein wesentliches Merkmal sozialer Arbeit mit Fußballfans.
Die klassischen Angebote wie Streetwork, Einzelfallhilfe/Lebenshilfe, soziale Gruppenarbeit, die Stärkung und Förderung der Fans bei der Selbstorganisation und der Interessenausgleich mit den Vereinen nehmen breiten Raum in den Aktivitäten des Münchner Fanprojekts ein. Daneben unterhalten die Münchner ein Fanheim für die Fans des TSV 1860 und ein kleines „neutrales“ Büro. Die über lange Jahre gut besuchten Fanräume für die Fans des FC Bayern München in der Deisenhofener Straße wurde zu Beginn des Jahres 2010 aufgrund einer städtischen Neubebauung bedauerlicherweise geschlossen und das Haus anschließend abgerissen. Die etablierte „rote“ Ultraszene konnte sich mittlerweile eigene Räumlichkeiten zulegen. Ein adäquates Nachfolgeobjekt für die Deisenhofener Straße in München zu finden, das in der Verantwortlichkeit des Fanprojekts liegt, war bis jetzt leider noch nicht möglich.
Am 18. Mai 2011 wurde aufgrund eines Antrages der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen im Kreisverwaltungsausschuss des Stadtrates die Gründung des Örtlichen Ausschusses Sport und Sicherheit beschlossen. Somit wurde ein weiterer wichtiger Faktor für die Netzwerkarbeit des Fanprojekts geschaffen. Die konstituierende Sitzung fand unter der Leitung des Kreisverwaltungsreferenten am 4. Juli 2011 statt.
Aufgrund des Einstieges eines Großinvestors beim TSV 1860 München kam es zu merklichen Veränderungen in der aktiven Löwen-Fanszene. Die bisher führende Ultragruppierung stellte aus Protest bei Heimspielen ihre Aktivitäten ein und zog sich von ihrem angestammten Platz in der Fankurve zurück. Die Nachfolge hat eine wesentlich jüngere, erst seit ein paar Jahren existierende Ultragruppierung übernommen. Die Rolle der Kurvenführung, hohe Erwartungen und Akzeptanzprobleme bei den restlichen Kurvenfans stellen sowohl die Fangruppe als auch die Fanprojektmitarbeiter und die Fanbetreuung des TSV vor neue Herausforderungen. Zudem hat sich in einem angrenzenden Fanblock eine Gruppe aus aktiven Rechten und deren Sympatisanten etabliert, deren Zahl von Spiel zu Spiel variiert. Problematisch ist hier vor allem, dass diese Gruppe sich in erster Linie über die Fanzugehörigkeit zum Verein definiert. Ein konsequentes und gemeinsames Handeln insbesondere vonseiten des Vereins aber auch von Fans und Fanprojekt ist unabdingbar.
Obwohl der Standortwechsel beider Münchner Vereine in die Allianz-Arena am Rande der Stadt nun schon einige Jahre zurückliegt, haben beide aktiven Fanszenen immer noch das Problem, sich mit der neuen Situation im Stadion zu arrangieren, was sich vor allem auf die Stimmung im Stadion – aus Sicht der Fans – negativ auswirkt. So werden die Möglichkeiten, sich in der Fankurve einen durch eigene Ideen geprägten Handlungsraum zu schaffen, durch die weiterhin bestehende starre Auslegung der Stadionverordnung durch Vereine und Polizei stark eingeschränkt.
Der Streetwork-Bus des Fanprojekts ist weiterhin für beide Fanszenen die zentrale Anlaufstelle in Stadionnähe und wird bei allen Heimspielen zur Verfügung gestellt. Aufgrund der starken Frequentierung durch die Fans ist dieses Angebot am Spieltag nicht mehr wegzudenken. Der Bus stellt ein festes Element im Spieltagsablauf beider Fanszenen dar. Neben seiner Funktion als Szenetreff bietet er den verschiedenen Gruppen die Möglichkeit, sich anderen Fans vorzustellen, Infomaterial/eigene Fanzines zu verteilen und die Fans im kleinen Rahmen zu verköstigen. Des Weiteren besteht die Gewissheit, dort immer einen der hauptamtlichen MitarbeiterInnen des Fanprojektes anzutreffen.
Zusätzlich gibt es für Fans beider Vereine im Münchener Stadion eigene Fanbetreuungsräume, die von den verantwortlichen Fanbeauftragten betrieben werden. Das Fanprojekt hat sich für die Einrichtung solcher Räumlichkeiten stets sehr stark engagiert und ist neben den Fanbeauftragten, dem Fanrat und diversen Faninitiativen ebenfalls häufig dort anzutreffen.
Weil die zweite Mannschaft des FC Bayern seit der Saison 2011/2012 auch in der Regionalliga Süd spielt, gibt es in der Stadt wieder richtige Lokalderbys, die die beiden Fanszenen emotionalisieren und an das Fanprojekt weitere Herausforderungen stellen. Auch in der Zukunft wird das Fanprojekt einen Augenmerk seiner Arbeit auf die Spiele der beiden Zweitvertretungen richten müssen, da es zu Veränderungen kommen wird, deren Folgen noch nicht abzusehen sind. Zum einen wird das altehrwürdige städtische Stadion an der Grünwalder Straße umgebaut und die zweiten Mannschaften müssen auf Stadien außerhalb Münchens ausweichen. Zum anderen wird durch die anstehende Regionalliga-Reform eine neue Bayernliga geschaffen, die den Lokalcharakter der Spiele verstärken wird.
Thomas Emmes (zuständig für Fans des FC Bayern München), Stephanie Dilba (TSV 1860 München), Lothar Langer (TSV 1860 München), Jochen Kaufmann (FC Bayern München), Andrea Sailer (Leitung)
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