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20.03.2015

Start mit Erfahrung: Fanprojekt De Kull in Mönchengladbach

Wieder eine Lücke geschlossen: Seit dem Start des Fanprojekts De Kull in Mönchengladbach gibt es nun mit Ausnahme von Stuttgart an allen Bundesliga-Standorten Angebote für Sozialarbeit mit Fußballfans. Allerdings kann das Gladbacher Projekt ohnehin schon auf bestehende Grundlagen zurückgreifen.

Das Internet funktioniert seit letzter Woche, sagt Philip „Peppo“ Hülsen vom Fanprojekt De Kull e.V. in Mönchengladbach. Das Fanprojekt, Peppo und alles Übrige funktionieren schon etwas länger – sie sind allerdings vor Kurzem erst umgezogen. Am 20. März findet die Besichtigungsveranstaltung der neuen Räumlichkeiten statt.

Aber der Reihe nach: Seit Juli 2014 gibt es auch für die Fanszene in Gladbach ein sozialpädagogisches Fanprojekt, das nach den Richtlinien des Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit (NKSS) arbeitet. Diese lange Erläuterung ist wichtig, denn ein Fanprojekt, das gab es bei Borussia Mönchengladbach schon viel länger. Es wurde 1988 als Projekt von Fans für Fans ins Leben gerufen, war damals auch ein wenig als Alternativmodell zu den ersten sozialpädagogischen Fanprojekten gedacht und hat sich über die Jahre zu einem mitgliederstarken und aktiven Supporters Club entwickelt. „Die Organisation hat großen Rückhalt in der Fanszene und sich über die Jahre viel Anerkennung verdient“, erzählt Philip Hülsen, der selbst auch aus der Gladbacher Fanszene kommt und bereits für das Fanprojekt des Supporters Club Sozialarbeit leistete.

Verwechslungsgefahr nicht ausgeschlossen

Denn das damalige Fanprojekt integrierte bereits vor einigen Jahren unter dem Namen „De Kull“ auch sozialpädagogische Angebote wie U18-Fahrten in seine Arbeit und installierte einen Container hinter dem Fanhaus des Supporters Club als Anlaufstelle für jugendliche Fans. Zunehmend wurde klar, dass auch für ein Fanprojekt nach dem NKSS noch genug Platz und Bedarf vorhanden ist. Hülsen entwickelte ein Konzept, es folgten Abstimmungen mit Verein, Stadt, DFL und den übrigen Netzwerkpartnern, die für die Etablierung eines neuen Fanprojekts wichtig sind. Der offizielle Start erfolgte im Sommer 2014, die Schienen für gute Zusammenarbeit wurden jedoch schon lang vorher gelegt. „Wir haben uns mit allen zusammengesetzt – Ultras, Verein, Polizei, Staatsanwaltschaft – und erklärt, wie die sozialpädagogische Fanarbeit aussieht, was wir machen wollen“, sagt Philip Hülsen. „Im Beirat sind alle Netzwerkpartner integriert, wir haben also viel Vorarbeit geleistet.“ Nötig war diese Vorarbeit auch, weil es schließlich in Gladbach lange ohne Fanprojekt auf der Grundlage des NKSS ging und manche Berührungsängste gegenüber der Sozialarbeit im Fußball abzubauen waren.

So gibt es in Mönchengladbach nun neben dem FPMG Supporters Club auch das Fanprojekt De Kull. „Verwechslungen wird’s wohl noch länger geben“, sagt Philip Hülsen. „Aber wir erklären dann einfach, wer was macht.“ Erklären muss man außerhalb von Mönchengladbach vielleicht auch den Namen De Kull, der an die erste Anlaufstelle des Fanprojektes erinnert, aber auch an das erste Stadion von Borussia Mönchengladbach, das später Westdeutsches Stadion und letztendlich Bökelberg hieß. De Kull bedeutet die Kuhle, das Loch und wird im niederrheinischen Dialekt „DÄ KULL“ ausgesprochen.

Altbewährtes und Neues

Inzwischen ist das Fanprojekt aber längst über Containergröße hinausgewachsen. Die Stadt stellt als Teil ihres Finanzierungsanteils Räumlichkeiten in einer bisher leerstehenden Grundschule zur Verfügung. Die Schlüsselübergabe war im Dezember und die Gestaltung der Räume, die auch in der Woche als Treffpunkt und Anlaufstelle für die Fans dienen, erfolgte natürlich mit denen zusammen, die sie nutzen sollen. „Da haben wir viel gemeinsam mit den Ultras gemacht, das war auch ein gutes Projekt, um die Kontakte zu verknüpfen“, erzählt Philip Hülsen. Die Gladbacher Ultraszene ist, wie an anderen Orten auch, stark selbstorganisiert, das Fanprojekt hat seine Aufgabe hier neben Einzelfallberatungen – auch bei Problemen außerhalb des Fußballs – vor allem auch in der Vermittlerrolle bei Konflikten zwischen Fans und Polizei oder Verein. Nicht zuletzt an Spieltagen konnte hier in den vergangenen Monaten schon manch angespannte Situation entschärft werden. Zu den weiteren Aufgaben gehört das klassische Repertoire der Fanprojektarbeit von Spieltagsbegleitung und U18-Fahrten über Bildungsangebote und Präventionsarbeit bis zur Beratung bei Stadionverboten. Neben Philip Hülsen arbeitet derzeit Johannes Kohlhaas als Vollzeitkraft im Fanprojekt, hinzu kommen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die als Teilzeit- oder Honorarkraft tätig sind oder ein Praxissemester im Fanprojekt absolvieren. Mit dem aus dem PFiFF-Förderungspool der DFL finanzierten Projekt „Fanpatenschaften“ beschreitet das Fanprojekt zudem neue Wege: Hier übernehmen Fans die Patenschaft für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren und stehen ihnen in verschiedenen Lebenslagen beratend zur Seite. „Die Idee ist, zwei unserer Klientelgruppen zusammen zu bringen“, sagt Philip Hülsen. „Das ist ein Experiment, aber wir denken, dass das gut laufen wird.“ Genau so wie das Fanprojekt De Kull, das zwar noch neu in der Fanprojektfamilie ist, aber schon auf viel Erfahrung in der Arbeit zurückgreifen kann.

Kontakt

Fanprojekt De Kull
Hehnerstraße 54
41069 Mönchengladbach

Telefon: 02161 6977468
E-Mail: info(at)dekull.de