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03.06.2015

Bremer Tradition: Deutsch-israelischer Austausch

Die Delegation von Hapoel Katamon Jerusalem

Mit Besuch aus Israel ging in Bremen die Saison zu Ende: Mitarbeiter und Fans von Hapoel Katamon Jerusalem informierten sich in der Hansestadt über die Arbeit des Vereins, lernten die Stadt und ihre Geschichte näher kennen. Der Fachkräfteaustausch, zu dem auch Bremer Gegenbesuch in Israel gehört, ist Teil eines langfristigen Kooperationsprojekts.

Das Fanprojekt Bremen und Israel – das ist inzwischen schon eine alte Geschichte. Sie begann vor rund zehn Jahren mit dem Besuch eines Mitarbeiters des Jugendamtes der Stadt Jerusalem in Bremen. Er interessierte sich für die Sozialarbeit mit Fans, der Hintergrund waren rassistische und gewalttätige Vorfälle innerhalb der Fanszene von Beitar Jerusalem. Es entstand ein Fachkräfteaustausch zwischen Fanprojekt, dem Jugendamt Jerusalem und dem Verein und in den folgenden Jahren ein Jugendaustausch zwischen Werder-Fans und Fußballfans aus Israel mit zahlreichen Besuchen und Gegenbesuchen.

Im Gespräch mit Frank Baumann beim Training der Profis

Fußball und soziales Engagement

Zu einem festen Kooperationspartner ist dabei der Klub Hapoel Katamon Jerusalem geworden. Zehn Mitarbeiter und Fans des Vereins statteten Bremen Ende Mai einen Besuch ab. Katamon allerdings ist kein ganz gewöhnlicher Klub, sondern der erste Fanverein in Israel. Die Geschichte klingt bekannt: 2007 gründeten Anhänger von Hapoel Jerusalem aus Enttäuschung und Ärger über die Vereinspolitik ihren eigenen Klub, der heute in der zweiten israelischen Liga spielt. Bei Katamon gehören, anders als bei Beitar, auch arabische Spieler zum Kader, die Fanszene des Klubs gilt als linksliberal. „Der Kontakt zu Katamon besteht jetzt schon seit einigen Jahren“, sagt Thomas Hafke vom Fanprojekt Bremen. „Da gab es von Anfang an auf beiden Seiten das Gefühl ‚Das passt, wir haben eine gemeinsame Ebene und ähnliche Ideen und Vorstellungen.“

Beim diesjährigen Bremen-Aufenthalt, der vor allem im Zeichen der Jugendsozialarbeit stand, standen Besuche in verschiedenen Abteilungen des Vereins auf dem Programm, so etwa bei der Fan- und Mitgliederbetreuung und CSR-Abteilung wie auch in der Jugendabteilung. Die Gäste aus Israel hatten Gelegenheit, sich mit dem Werder-Präsidenten Hubertus Hess-Grunewald und den ehemaligen Spielern und jetzigen Funktionären Frank Baumann und Marco Bode zu treffen und mit ihnen über ihren Verein und ihre Arbeit zu sprechen. Vorgestellt wurde dabei unter anderem auch das Projekt „Spielraum“, mit dem Werder seit 2010 einen Sportplatz und Trainingsangebote für Flüchtlingskinder anbietet. „Unsere Besucher konnten da einige Anregungen für ihre eigene Arbeit im Verein mitnehmen“, sagt Thomas Hafke, „Und ich denke, beim Gegenbesuch im Herbst in Israel wird es umgekehrt genauso sein.“ Soziales Engagement gehört auch bei Katamon zur Vereinsphilosophie: So initiiert der Klub mithilfe des Fußballs Begegnungen von arabischen und jüdischen Israelis und unterstützt benachteiligte Jugendliche in ihren Stadtteilen mit Sportangeboten, Beratung und Hausaufgabenhilfe.

Projekt Spielraum: Fußball für Flüchtlinge auf den Werder-Trainingsplätzen

Stadtgeschichte und Gedenken

Es wurde jedoch auch über den grün-weißen Tellerrand geschaut: Die Gäste besuchten gemeinsam mit ehrenamtlichen Mitarbeitern des Fanprojekts und Werder-Fans den türkischen Fußballverein Vatan Sport im Bremer Stadtteil Gröpelingen, der ebenfalls soziale Arbeit mit Jugendlichen aus dem Viertel leistet. Zum weiteren Programm gehörten auch der Besuch des Bremer Fußballverbandes, des Rathauses, des Parlaments und der Gedenkstätte „U-Boot-Bunker Valentin“, der während des Krieges von Zwangsarbeitern gebaut wurde – darunter auch ein jüdischer Spieler des SV Werder, wie die Besucher im Werder-Museum erfuhren. Ein weiterer Bremer Gedenkort ist der Keller der abgebrannten Synagoge im Schnoor, der im Rahmen einer Führung zum jüdischen Leben in der Stadt vor dem Holocaust besucht wurde. Zudem nahmen die Fans an einem Vortrag von Ronny Blaschke zum alten und neuen Antisemitismus im Fußball sowie einem Workshop zu Sexismus beim Fußball teil. Im Engagement gegen Diskriminierung hat auch Katamon Zeichen gesetzt – zum Beispiel durch Regenbogen-Eckfahnen gegen Homophobie. Die Anregung, sich mit diesem Thema näher zu beschäftigen und zu engagieren, entstand bei einem früheren Besuch in Bremen. Trotz vollen Programm durfte natürlich auch der Fußball selbst nicht fehlen: Neben dem Heimspiel gegen Gladbach im Werder-Fanblock gab es mit dem letzten Saisonspiel bei Borussia Dortmund auch noch eine Auswärtsfahrt für die Gäste aus Israel.

Gespräch mit dem Präsidenten und dem Fanbeauftragten von Werder

Der Austausch wurde mit Mitteln des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; von ConAct; der Bremer Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen; der Heinrich-Böll-Stiftung und durch die Hilfe von Marco Bode finanziert.