Sie sind hier: /Startseite /Service/Newsarchiv

09.06.2014

Die FußballFanStudie

Flyer

Fanidentitäten, Selbstregulation und Prävention – das sind die Oberthemen eines Forschungsprojekt an den Hochschulen Bielefeld, Kassel und Potsdam. Bei der von den Fußballverbänden geförderten Studie stehen Eindrücke und Erfahrungen von Fans im Fokus.

Viel wird geredet über „die“ Fans, über Konflikte, Gewalt, Prävention, Repression und Selbstregulierung. Nicht immer allerdings ist dabei so ganz klar, wer „die“ Fans eigentlich sind, sie kommen mitunter nicht einmal selbst zu Wort und die Bedeutung der viel verwendeten Substantive wird auch bei Weitem nicht immer hinterfragt. Ein von DFB und DFL gefördertes unabhängig arbeitendes Forschungsprojekt soll das jetzt ändern. Im Verbund von drei Hochschulen werden in dieser bisher größten Fanstudie die Themen Fanidentitäten, Selbstregulation und Prävention bearbeitet.

An der Fachhochschule Potsdam wird unter Leitung von Diplomsoziologe Andreas Klose mit quantitativen und qualitativen Erhebungen bei Vereinen, Polizei und fußballbezogener sozialer Arbeit zum Teilbereich „Gemeinsame Präventionsstrategien der Netzwerkpartner im Fußball von der 1. bis zur 3. Liga“ geforscht. Das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld widmet sich unter Leitung von Professor Andreas Zick der Erforschung von Fanidentitäten. Die Bielefelder Teilstudie „Bielefelder Fußballfan-Studie“ (BiFans) will Fans der ersten bis dritten Liga befragen, die vielfältigen sozialen Fanidentitäten untersuchen sowie ihre Sichtweisen auf bestimmte Themen, Probleme und Konflikte kennenlernen.

Was ist eigentlich Selbstregulierung?

Ein anderer zentraler Begriff, der in Diskussionen rund um Fanverhalten, gewalttätige Ausschreitungen und Auseinandersetzungen immer wieder auftaucht, ist die Selbstregulierung von Fans. Diesem Thema widmet sich das Forschungsprojekt an der Universität Kassel unter Leitung von Professorin Heidi Möller. Die MitarbeiterInnen Denise Schubert, Martin Seip und Vinzenz Thalheim wollen Selbstregulationskompetenzen und Deeskalationsstrategien von Fans der ersten bis dritten Liga herausarbeiten.

„Wir wollen wissen, wie und warum unterschiedliche Formen der Selbstregulierung entstehen und das, was Fans hier leisten, so auch sichtbar machen“, sagt Martin Seip. In einem nächsten Schritt sollen die gewonnenen und aufbereiteten Erkenntnisse zur beratenden Unterstützung sowohl von Fans und Fangruppen als auch Fanprojekten und Vereinen eingesetzt werden. Um Fankompetenzen besser zu verstehen, stehen zunächst Diskussionsrunden von Fans auf dem Forschungsprogramm. Hier freuen sich die Kasseler ForscherInnen noch über Fans, die Interesse haben, an einer solchen Runde teilzunehmen. „Es kommen dabei zwischen fünf und 15 Personen zusammen“, erklärt Martin Seip den Ablauf. „Ein Moderator begleitet das Gespräch und stellt hin und wieder Fragen. Uns geht es darum, Erfahrungen und Erlebnisse zu sammeln, die Fans bei Konfliktlösungen gemacht haben, und so das Prinzip Selbstregulierung besser zu verstehen.“

Die ForscherInnen sind nicht an einer bestimmten Zielgruppe interessiert, sondern wollen möglichst einen Querschnitt durch die Stadionbesucher gewinnen. Die einzige Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Erfahrung mit Konflikten und Konfliktlösungen im Fußballumfeld. Die Studie möchte alle Fans miteinbeziehen, die sich zur aktiven Fanszene zählen und die in diesem Kontext kritische Situationen erlebt haben.

Die Gruppengespräche dauern etwa eine Stunde, bei Bedarf etwas länger. Sie finden je nach Vereinbarung mit den Beteiligten vor Ort statt, in Fantreffs, bei Fanprojekten usw. Eine gerade für Fans wichtige Information: Die Gespräche (nur der Ton) werden aufgezeichnet, die Auswertung erfolgt vollständig anonym. Eine Weitergabe der Daten ist dem Forschungsteam untersagt. An über 20 Standorten haben bereits Diskussionsrunden stattgefunden. Fans und Fangruppen, die Interesse an der Teilnahme haben und so zu einem besseren Verständnis des Prinzips Selbstregulierung beitragen wollen, wenden sich an martin.seip(at)uni-kassel.de. Infos gibt es auch unter fankompetenzen.blogsport.de.