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30.11.2018

Jubiläum einer Erfolgsgeschichte: 25 Jahre KOS

Michael Gabriel und Jan Holze

Jugendministerin Dr. Franziska Giffey brachte es auf dem Festakt anlässlich des 25jährigen Jubiläums der KOS im Berliner Umweltforum auf den Punkt: Fußball verbindet, stiftet Identität – sorgt aber auch für Konflikte. In der Lösung dieser Konflikte nehmen die KOS und die Fanprojekte eine wichtige Rolle ein. Sie leisten hier in der Jugendsozialarbeit seit Jahren hervorragende Arbeit, von der Fans, Kommunen, Vereine und Verbände profitieren.

Mit dem Inkrafttreten des Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit (NKSS) 1993 nahm die KOS vor 25 Jahren ihre Arbeit auf. Die KOS wurde eingerichtet, um die Arbeit der sozialpädagogischen Fanprojekte inhaltlich zu begleiten und bei der Einrichtung weiterer Projekte mitzuwirken. Dies ist in dieser Zeit eindrucksvoll gelungen. Das Netzwerk ist von damals 12 auf bundesweit mittlerweile 59 Fanprojekte angewachsen, die mit 66 Fanszenen arbeiten.

Dabei wirkt die Arbeit der Fanprojekte weit über den Fußball hinaus. Die KOS und die Fanprojekte fördern demokratische Prozesse bei den Jugendlichen und jungen Fans und setzen sich bspw. gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ein. Dieses Engagement strahlt auch auf gesellschaftspolitische Prozesse aus.

Auf dem Festakt Ende November dankte neben der Jugendministerin auch DFB-Präsident Reinhard Grindel und der Direktor Fußballangelegenheiten und Fans der DFL, Ansgar Schwenken, der KOS für 25 Jahre vertrauensvolle Zusammenarbeit. Alle drei sind nicht nur finanzielle Unterstützer der Arbeit der KOS sondern auch inhaltliche Begleiter.

DFB-Präsident Reinhard Grindel zog eine erfolgreiche Bilanz: „Für mich steht außer Frage – 25 Jahre KOS sind eine Erfolgsgeschichte.“ Insbesondere betonte er das herausragende Engagement gegen Rassismus, Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit. Das hier ein Rückgang in den Stadien zu verzeichnen ist, ist auch der Arbeit der KOS und der Fanprojekte zu verdanken.

Ansgar Schwenken, Direktor Fußball-Angelegenheiten & Fans der DFL, unterstrich die vernetzte Arbeit, die die KOS als Moderator und Taktgeber der sozialen Arbeit mit Fußballfans einnimmt.

Den inhaltlichen Part des Festaktes vor rund 200 geladenen Gästen eröffnete Prof. Dr. Andreas Zick von der Universität Bielefeld, der in seinem Impulsvortrag „Fanarbeit in einer herausgeforderten Gesellschaft“ die Bedeutung von Strategien zu Konfliktlösungen in der Gesellschaft, aber auch im Fußball beleuchtete.

Wie im öffentlichen Raum wird auch das Stadion  immer mehr zu einem Ort werden, in dem gesellschaftliche Konflikte kenntlich und ausgetragen werden. Die Fanprojekte sind hier als Mittler und Gestalter für demokratische Aushandlungsprozesse gefordert. Auf diese Weise fördern sie  in den Fanszenen demokratische Werte, Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das bisher Erreichte müsse, so Andreas Zick geschätzt, die Arbeit für die Zukunft aber auch gesichert werden.

In einer Podiumsdiskussion unter dem Thema „Unbequem und unabhängig – Fanprojekte im Wandel der Zeit“ diskutierten Uwe Jahn, Fan von Werder Bremen seit den 70er Jahren und heute im Vorstand des Trägers des Fanprojektes, Wolfgang Holzhäuser, der ehemalige Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, Ralf Busch, seit 1990 beim Fanprojekt Berlin und Helen Breit, Fan vom SC Freiburg die Entwicklung der Fanarbeit von 1993 bis heute. Zu Beginn seien Fanprojekte und die Sozialarbeiter/innen als „wilder Haufen“ gesehen worden, Verbände wussten nicht mit dem Klientel umzugehen. Um das Ansehen und die Vernetzung der ersten Fanprojekte zu stärken, sollte eine Koordinationsstelle gegründet werden. Das wurde nicht überall begrüßt, man „würde sich an den DFB verkaufen“. Vertrauen musste also aufgebaut werden. Dies sei der KOS eindrucksvoll gelungen. Heute gelte sie als absolutes Kompetenzzentrum und sie ist national wie international gefragter Gesprächspartner.

Die Fanarbeit habe sich von der Arbeit mit gewaltsuchenden Hooligans zu einer ausdifferenzierten Jugend- und Jugendsozialarbeit entwickelt. Basierend auf einer belastbaren und von Vertrauen geprägten Beziehung zur Fanszene tragen sie mit vielfältigen Angeboten zur Dialog- und Reflektionsfähigkeit jugendlicher Fans bei.

Jan Holze, Vorsitzender der Deutschen Sportjugend, zog eine positive Bilanz zu 25 Jahren KOS und einem gelungenen Jubiläum. „Die Deutsche Sportjugend als Träger der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj ist stolz auf das Erreichte. Das System der sozialpädagogischen Arbeit der Fanprojekte ist international einzigartig und beispielgebend – die Expertise der KOS ist national wie international gefragt. Dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem Deutschen Fußball-Bund und der Deutschen Fußball Liga danke ich für ihre bisherige finanzielle Unterstützung und inhaltliche Mitwirkung. Gleichzeitig bitte ich sie, ihr Engagement fortzusetzen und idealerweise noch auszubauen, damit es uns gemeinsam gelingt, das hohe Niveau der Arbeit der KOS nicht nur zu stabilisieren, sondern durch geeignete Maßnahmen weiter zu entwickeln und so die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben.“

Für die kulturelle Rahmung des Jubiläums sorgte der Radio-Moderator Achim ‚Sechzig‘ Bogdahn, der aus seiner Plattensammlung musikalische Kuriositäten aus der Welt des Fußballs mitgebracht hatte und am Ende die Mitarbeiter*innen der KOS mit ihren jeweiligen Vereinshymnen „beschenkte“.

Aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums hat die KOS eine Festschrift herausgebracht, welche die Meilensteine aus 25 Jahren Fanarbeit bebildert. Diese kann hier heruntergeladen werden.

Eine Galerie mit weiteren Bildern findet sich hier.