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10.07.2014

Ein Denkmal vor dem Stadion

Foto: Dominik Dresel

Das Frankfurter Fanprojekt hat im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Im Gedächtnis bleiben“ in der vergangenen Woche zwei bemerkenswerte Projekte gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit eingeweiht. Im Mittelpunkt stehen hierbei eine Häuserwand in Niederrad und das Frankfurter Waldstadion.

Eine Frankfurter Hauswand wird zum Wahrzeichen für Toleranz

Am 21.06. wurde unter dem Beisein von ca. 200 Gästen und AnhängerInnen von Eintracht Frankfurt im Frankfurter Stadtteil Niederrad der erste Preis des diesjährigen Wettbewerbs der Öffentlichkeit übergeben.

Der Frankfurter Künstler Mathias Weinfurter hat das Porträt des ehemaligen Eintracht-Profis Anthony Yeboah und den Schriftzug „Wir schämen uns für alle, die gegen uns schreien“ an eine Hauswand gebracht. Der Satz ist ein Zitat aus einem offenen Brief, den Yeboah 1990 gemeinsam mit Anthony Baffoe und Souleyman Sané aufgrund anhaltender rassistischer Beleidigungen verfasste.

Das Abbild Yeboahs, der im Übrigen auch persönlich zur Eröffnung erschienen war, steht in diesem Zusammenhang stellvertretend für alle Menschen, die auf Grund ihrer Hautfarbe in Deutschland diskriminiert wurden und noch immer werden.

Foto: Dominik Dresel

 „You always think of the team you support“

Dieser Satz von Bernard Florsham, der 1939 geflohen ist, drückt wohl am ehesten die Gefühle aus, die Verfolgte des NS-Regimes haben mussten, wenn sie nicht mehr die Möglichkeit hatten ihren Verein zu unterstützen. Dass dieser Satz von einem Geflohenen stammt, zeigt, welch zentrale Bedeutung der Fußball damals wie heute in der Gesellschaft hatte und hat.

Am Montag, den 23.06. wurde am Frankfurter Stadion ein Denkmal eingeweiht, dass allen unbekannten Frankfurter Fußballfans gewidmet ist, die auf Geheiß der Nationalsozialisten aus den gesellschaftlichen Zusammenhängen ausgeschlossen, vertrieben, verhaftet oder ermordet wurden. Sie und die Umstände ihrer traurigen Geschichte sollen dadurch buchstäblich im Gedächtnis bleiben.

Über das damalige Frankfurter Fußballpublikum ist wenig biografisches überliefert, lediglich das Schicksal einiger weniger Einzelpersonen ist bekannt. Für diese gibt es mittlerweile insgesamt sechs „Stolpersteine“ in Frankfurt. Das Frankfurter Fanprojekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch an diejenigen zu erinnern, deren Namen nicht oder noch nicht bekannt sind und die auf einmal nicht mehr an ihrem Platz standen. Stellvertretend für alle unbekannten Fußballanhänger zeigt das Denkmal eine offensichtliche Leerstelle, die diese Fans repräsentiert, die ab 1933 aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden und somit auch der Frankfurter Fangemeinde fehlten.

Foto: Philipp Beitzel/KOS

Das Denkmal hat einen zentralen Platz am Haupteingang des ehemaligen Waldstadions gefunden, einen Steinwurf vom Stadionbad, welches Juden ab 1935 nicht mehr betreten durften. Als Mittelpunkt der heutigen Frankfurter Fankultur ist dieser Platz am Stadion ein würdiger Ort um an all diese Menschen zu erinnern.

Finanziert wurde das Hauswand- Projekt unter anderem aus dem Preisgeld, das das Frankfurter Fanprojekt 2012 für die Auszeichnung mit dem Julius-Hirsch-Preis vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) bekommen hatte. Das Bild von Anthony Yeboah wurde vom  Gewinner des "Im Gedächtnis bleiben" Preis von 2013 gestaltet.

Dank der Unterstützung des „Sportkreis-Gallusteam“ wird das Fanprojekt auch im Jahr 2014 wieder den „Im Gedächtnis bleiben“ Preis ausloben können, zu dem sich Initiativen und Projekte aus Frankfurt und Umgebung bewerben können.

Weitere Infos gibt es unter www.frankfurter-fanprojekt.de oder unter www.im-gedaechtnis-bleiben.de